Mitteilungen DOI: 10.38023/17e77cdd-9265-4d0f-95c8-77b78bf456bb

Laudatio Prix SEVAL 2024

Lilith Wernli
Lilith Wernli
Marion Baud-Lavigne
Marion Baud-Lavigne

Zitiervorschlag: Lilith Wernli / Marion Baud-Lavigne, Laudatio Prix SEVAL 2024, in: LeGes 35 (2024) 3


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Der Prix SEVAL würdigt dieses Jahr zwei Arbeiten:

  • Die von Romain Suchet am IDHEAP eingereichte MAS-Arbeit «Analyse et propositions concernant l’évaluation des effets économiques des parcs naturels régionaux suisses» sowie
  • Die von Fabricio Meier eingereichte Masterarbeit an der Universität St. Gallen «Exploring Potential Factors for Not Evaluating E-Government Projects in the Swiss Public Sector»
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Von den sechs eingereichten Beiträgen überzeugten diese beiden Arbeiten die Jury am meisten, vor allem aufgrund der fundierten Auseinandersetzung mit den Themen, der klaren Forschungsfragen und der systematischen Vorgehensweise. Durch die Auszeichnung von Arbeiten aus zwei unterschiedlichen Qualifikationsstufen möchte die Jury auch die Vielfalt der Evaluationsgemeinschaft in der Schweiz hervorheben.

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Romain Suchet ist Vize-Direktor des Regionalen Naturparks «Parc Jura vaudois» und verantwortlich für Management und Qualität. Im Rahmen seiner Arbeit hat er sich mit einer sehr spezifischen und zugleich komplexen Fragestellung befasst: Wie können die wirtschaftlichen Auswirkungen der Schweizer Regionalen Naturparks bewertet werden? Seine Arbeit basiert auf einem multidimensionalen Ansatz, der eine sorgfältige Analyse der Evaluierungsberichte der betroffenen Schweizer Regionalen Naturparks, eine Untersuchung quantitativer Evaluierungsmethoden sowie Interviews mit Schlüsselakteuren und internationale Vergleiche umfasst. Auch in Bezug auf Innovation und Originalität setzte die Arbeit von Romain Suchet neue Massstäbe. Die Untersuchung einer noch wenig erforschten Problematik – der Messung der wirtschaftlichen Auswirkungen von Naturparks – und der Vorschlag methodischer Herangehensweisen, die den Besonderheiten dieser Parks gerecht werden, sind bemerkenswerte Beiträge zur Evaluationstheorie und -praxis. Besonders innovativ ist die präzise Definition des Begriffs «wirtschaftliche Auswirkung», der bisher oft vage blieb. Romain Suchet zeigt neue Wege auf, wie dieser Begriff in der Praxis operationalisiert werden kann. Die Arbeit von Romain Suchet hat auch eine hohe Praxisrelevanz. Seine Empfehlungen sind klar, anwendbar und bieten den Parks und Kantonen konkrete Ansätze zur Verbesserung ihrer Evaluationsprozesse. Diese Vorschläge zielen darauf ab, die Qualität und Kohärenz der Bewertungen zu erhöhen und die Praxisumsetzung zu erleichtern – ein entscheidender Schritt, um die Nachhaltigkeit und Effektivität der Schweizer regionalen Naturparks langfristig zu sichern. Darüber hinaus zielen die Empfehlungen auch darauf ab, die Evaluationskompetenz innerhalb der Teams der regionalen Naturparks zu stärken und die Evaluationskultur insgesamt zu verbessern.

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Fabricio Meier hat den Master in International Affairs & Governance an der HSG erfolgreich abgeschlossen. Er ist aktuell Junior Associate Swiss Public Affairs bei Novartis. Das Ziel der von Fabricio Meier eingereichten Masterarbeit ist es, ein besseres Verständnis der Faktoren zu entwickeln, welche die Nicht-Evaluation von E-Government-Projekten im öffentlichen Sektor der Schweiz beeinflussen. Dieses Ziel ist von hoher Relevanz, da Evaluationen entscheidend sind, um die Verwendung von in E-Government-Projekte investierten Steuergeldern zu rechtfertigen. Das Fehlen von Evaluationen kann dazu beitragen, dass E-Government-Projekte scheitern. Die Arbeit von Fabricio Bruno Meier zeichnet sich durch ein hohes Mass an Wissenschaftlichkeit aus, insbesondere in Bezug auf die Methodenanwendung und die Systematik. Das methodische Vorgehen ist klar strukturiert und für eine Masterarbeit vorbildlich. In Bezug auf Innovation und Originalität bewegt sich die Arbeit in einem interessanten und bisher wenig erforschten Bereich – der Evaluation von E-Government-Projekten. Besonders spannend ist der Gedanke, nach dem «Warum nicht?» zu fragen, um Hindernisse für die Evaluation zu identifizieren. Die Arbeit bietet wertvolle theoretische Einblicke und identifiziert wesentliche Faktoren, die zur Nicht-Evaluation von E-Government-Projekten beitragen können. Diese Erkenntnisse tragen zur Forschung bei und legen eine solide Grundlage für zukünftige Studien.

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Die Jury des Prix SEVAL gratuliert den beiden Preisträgern herzlich zum diesjährigen Prix SEVAL!

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Der Prix SEVAL wurde 2012 geschaffen, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Evaluationen zu fördern. Mit diesem Preis werden Arbeiten ausgezeichnet, die einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Theorie und Praxis der Evaluation oder zur Verwendung von Evaluation liefern. Arbeiten können beim SEVAL-Sekretariat eingereicht werden (secretariat@seval.ch), Einsendeschluss ist jeweils der 2. April des laufenden Jahres. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite der SEVAL: www.seval.ch/stipendium-prix-seval/prix-seval/


Lilith Wernli, BAFU Sektion Ökonomie.

Marion Baud-Lavigne, Evaluatorin und Projektleiterin, Parlamentarische Verwaltungskontrolle.

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